Kinderwunsch

Mann und Frau in ihrer Wohnung
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Für die Erfindung der In-Vitro-Fertilisation erhielt der Brite Robert G. Edwards 2010 den Nobelpreis für Medizin. Seit der Geburt des ersten “Retortenbabys” 1978 wurden auf diese Weise über vier Millionen Kinder im Reagenzglas gezeugt. Aber woher kommt der große Bedarf nach der medizinischen Hilfe bei der Zeugung?

Bei vielen Paaren lässt es sich nicht definitiv ausmachen, worauf die Unfruchtbarkeit zurückzuführen ist. Es gibt jedoch Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können.

Zunächst einmal steigt das Durchschnittalter der Frauen bei der ersten Geburt stetig. Biologische und soziale Faktoren, wie eine veränderte Lebensplanung, die vermehrte Berufstätigkeit der Frau, die längeren Ausbildungs- und Studienzeiten führen dazu, dass der Kinderwunsch erst später realisiert werden soll. Und zwar erst zu einem Zeitpunkt, an dem die Fruchtbarkeit bereits abnimmt. Mindestens 20% der Frauen über 38 Jahre erreichen die Schwangerschaft auf “natürlichem” Weg nicht mehr.
Folgende weitere Faktoren können eine Rolle spielen:

Chlamydieninfektion: Bei Frauen kann eine zurückliegende Chlamydieninfektion zu einem Eileiterverschluss (LINK) geführt haben, der eine Schwangerschaft verhindert.

Stress: Als alleinige Ursache der Kinderlosigkeit ist Stress nicht bewiesen, dennoch ist chronischer Stress nicht günstig. Hoher Stress aktiviert Botenstoffe aus der Achse Zwischenhirn / Nebenniere, welche die Fortpflanzung (Reproduktionssystem) ungünstig beeinflussen.

Zigaretten/Alkohol: Rauchen kann die Fruchtbarkeit der Frau beeinflussen, während mäßiger Alkoholkonsum wohl keinen Einfluss auf die Schwangerschaftschancen hat. Exzessiver Alkoholkonsum kann sich hingegen ungünstig auf die Samenqualität auswirken.

Gewicht: Ein weiterer Faktor kann ein Über- oder Untergweicht der Frau sein. Beide führen zu einer Verschlechterung der Schwangerschaftschancen. Der günstigste BMI (BMI = body mass index) für die Erreichung einer Schwangerschaft liegt zwischen 20 und 25. Für Frauen mit BMI unter 20 und über 27 könnten Zusatzuntersuchungen sinnvoll sein. Am effektivsten für Gewicht und Fitness sind angeleitete und ständig betreute Sport-Programme.

Schilddrüse: Zum Einfluss von Schilddrüsenstörungen (Über- oder Unterfunktion) auf die ungewollte Kinderlosigkeit gibt es viele Spekulationen, aber kaum verlässliche Studien. Wissenschaftlich konnte bislang kein bedeutender Einfluss auf die Erfüllung des Kinderwunsches bewiesen werden.

Dieser Text basiert auf Informationen aus der Broschüre “Kinderwunsch”, die vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin ausgezeichnet wurde (u.a. wegen ihrer Verlässlichkeit) und wurde zusätzlich geprüft vom Hauptautor der Broschüre, Prof. Dr. med Rainer Wiedemann vom Medizinischen Versorgungszentrum in Stuttgart.

Tags: Untersuchungen, Kinderwunsch, Fruchtbarkeit, Kinderwunsch

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