Kinderwunsch

Füsse in der Wiese
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Es ist nicht leicht, einen Traum aufzugeben. Aber das müsst ihr ja vielleicht auch gar nicht. Ihr habt euch ein Kind gewünscht und noch immer ist keine Schwangerschaft eingetreten. Trauer, Wut, Verzweiflung kommen da zum Vorschein. Das ist normal, muss aber nicht dauerhaft anhalten. Womöglich hilft euch ein neuer Blick auf eure Gesamtsituation oder ein gutes Gespräch bei eurem Arzt. Oder etwas ganz anderes.

Für euch als Paar ist es natürlich eine große Enttäuschung, wenn die Behandlung eurer ungewollten Kinderlosigkeit mehrfach erfolglos verlief. Nach zwei bis drei Versuchen ohne eine Schwangerschaft stellt ihr euch vermutlich die Frage, ob eine weitere Behandlung sinnvoll ist.
Sprecht mit eurem Arzt und schaut euch an, wie die bisherigen Behandlungen verlaufen sind: Wurde klarer erkennbar, wo genau die Ursache für das Ausbleiben der Schwangerschaft liegt? Gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten? Habt auch den Mut, euch erneut über Alternativen zur Behandlung Gedanken zu machen. Einigen Paaren tut der Austausch mit anderen Betroffenen gut, andere igeln sich für einige Zeit ein und möchten am liebsten gar nicht mehr darüber reden.
Wie ihr auch mit der Sache umgeht, es ist wichtig, den Respekt vor dem Partner zu bewahren und zu akzeptieren, dass der/die andere mit dieser Situation auf eigene Weise umgeht. Nur, weil er sich jetzt wieder mit Freunden trifft, heißt das nicht, dass er weniger trauert; wenn sie jetzt verschlossen ist, heißt das nicht, dass ihre Liebe verschwunden ist. Ihr beide geht nur womöglich unterschiedlich mit der Enttäuschung um. Aus medizinischer Sicht lässt sich vielleicht nicht zu eurer Befriedigung klären, warum die Schwangerschaft nicht eintritt. Je nachdem, für welche Behandlung ihr euch entschieden hattet, können die Ergebnisse mehr oder weniger klare Erkenntnisse liefern.
Wenn sich zum Beispiel nach einer Stimulationsbehandlung im Eierstock nur wenige Eizellen bildeten, so spricht man von “Poor Respondern”, von herabgesetzter Leistungsreserve der Eierstöcke. Zum weiteren Vorgehen gibt es in diesem Falle keine zuverlässigen Studienergebnisse. Die Analyse des ersten IVF oder ICSI scheint dagegen aussagekräftiger: Nicht nur die Zahl der Follikel, auch die Qualität der Embryonen entscheidet. Ultraschalluntersuchung und bestimmte Laborwerte geben Hinweise, aber keine Beweise für bestimmte Schwierigkeiten bei der Befruchtung oder der Einnistung der befruchteten Eizelle. Keiner der Tests sagt zuverlässig voraus, bei welchem Paar weitere Versuche erfolglos bleiben werden.
Es gibt auch keinen Test, um einem Paar zu sagen, es hätte definitiv keine Chance mehr. Eine Dosisverdopplung ist nicht bewiesen wirksam, sie erhöht die Schwangerschaftschance wohl kaum. Es fehlen außerdem die Beweise, dass ein Wechsel auf andere Medikamente zur Stimulationsbehandlung die Chancen wesentlich erhöht. Vieles bleibt Expertenrat, die verlässlichen Studien fehlen. Außerdem wird das Budget ja auch irgendwann knapp, so kommt für weitere Behandlungen also auch noch die Hürde der Mehrkosten hinzu. Umso wichtiger ist es, einen echten Fachmann aufzusuchen. Wenn ihr eurem Arzt vertraut, solltet ihr das weitere Vorgehen detailliert mit ihm besprechen können. Er sollte für all eure Sorgen und Fragen ein offenes Ohr haben. Dann werdet ihr gemeinsam den richtigen Weg finden. - Wahr ist auch: Nicht wenige Paare haben ein Kind bekommen, nachdem sie erst alles ausprobiert und sich schließlich dem Schicksal überlassen haben.

Dieser Text basiert auf Informationen aus der Broschüre “Kinderwunsch”, die vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin ausgezeichnet wurde (u. a. wegen ihrer Verlässlichkeit) und wurde zusätzlich geprüft vom Hauptautor der Broschüre, Prof. Dr. med Rainer Wiedemann vom Medizinischen Versorgungszentrum in Stuttgart.

Tags: Partnerschaft, Enttäuschung, Kinderwunsch, Kinderwunsch

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