Erfahrungsbericht

Schwangere Frau bei Ultraschalluntersuchung
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Nicole (29) und Dirk (36) sind seit 14 Jahren zusammen. Als sie vor sechs Jahren heirateten, setzte Nicole die Pille ab. Doch sie wurde einfach nicht schwanger. Ein Untersuchungsmarathon begann. Gesundheitscheck, Tabletten, hoffnungsvolles Bangen – das war nicht einfach für die Beziehung. Doch dann wurde Nicole nach Jahren der Ungewissheit doch noch schwanger - durch künstliche Befruchtung. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

“Zwei Jahre waren seit unserer Hochzeit gegangen. Zwei Jahre, in denen wir nicht verhüteten – und trotzdem nicht schwanger wurden. Es war zum Verzweifeln. Wir gingen zum Arzt, die männlichen Hormone in meinem Blut seien erhöht, hieß es, und ich bekam Tabletten. Auch mein Mann bekam Medizin um einen möglichen Keim in seinen Spermien zu besiegen. Aber trotzdem: Es klappte einfach nicht mit unserem Wunschkind. Monat für Monat, immer wenn meine Regel kam, wuchs meine Unzufriedenheit. Freunde und Bekannte um uns herum bekamen Kinder, nur wir nicht.
Dirk und ich konnten uns teilweise gar nicht mehr über dieses Thema unterhalten, weil wir immer trauriger wurden und uns sehr in die Sache reinsteigerten.
Wir hatten Sex nach bestimmten Zeiten und Regeln, das machte uns fast verrückt. Es hatte nichts mehr mit Lust zu tun, es passierte alles nur noch nach Plan. “Du solltest dich mal reden hören”, sagte Dirk irgendwann, wir setzten uns gegenseitig unter Druck und verletzten uns damit automatisch.
Eines Tages sah ich in meiner Frauenarztpraxis das Prospekt einer Fruchtbarkeitsklinik liegen. Ich erzählte Dirk davon und wir vereinbarten einen Termin. Unser unerfüllter Kinderwunsch habe rein gar nichts mit meinen erhöhten männlichen Hormonen zu tun, sagte der dortige Arzt. Jedoch gebe es ein Problem mit Dirks Spermien. Diese drehten sich nur im Kreis und es seien auch nicht viele. Auf natürlichem Wege hätten wir nur eine 5-prozentige Chance, schwanger zu werden.
Für Dirk war diese Gewissheit schwer zu ertragen. “Ich bin nicht mehr würdig, dein Mann zu sein”, sagte er. Oder: “Wenn du einen anderen Partner hättest, wärst du längst Mutter.” Aber das war natürlich totaler Quatsch, denn mit niemandem außer ihm wollte ich Kinder. Ich habe ihn geheiratet, weil ich ihn liebe und daran würde sich auch nichts ändern. Schwangerschaft hin oder her. Nur mit ihm wollte ich ein Kind. Mit niemandem sonst.
Nur war es so, dass Dirk in dieser Phase noch als Zeitsoldat tätig war und über seinen Job krankenversichert. Wir hätten jeden künstlichen Befruchtungsversuch also komplett selbst zahlen müssen. Das wären 5000 Euro pro Versuch gewesen.. Mehr als ein Versuch wäre also niemals möglich gewesen, wenn überhaupt.
Wir mussten uns also damit abfinden, noch weiter zu warten, bis Dirk den Job wechseln konnte und wieder normal versichert sein würde, damit die Krankenkasse zumindest die Hälfte der Kosten tragen würde. Es verging einige Zeit und wir bekamen ein wenig Abstand zu dem ganzen Thema, wir konnten etwas offener mit der Sache umgehen. Wir wurden wieder ein Paar und eine Einheit, unser Schicksal schweißte uns wieder sehr stark zusammen.
Im Sommer 2010 begannen dann endlich die Untersuchungen und Besprechungen. Das ganze Team der Klinik kümmerte sich sehr lieb um uns.
Im Oktober begann ich mit den Medikamenten, dann folgten die Spritzen etc. und schließlich im November 2010 die OP zur Eizellenentnahme im Rahmen einer Mikroinsemination. Es folgte die Befruchtung und das Wiedereinsetzen der zwei befruchteten Eizellen (wir hatten die Möglichkeit zwischen 1, 2 oder 3en zu entscheiden). Wir hatten uns für zwei entschieden, da uns bei einer die Chance auf eine Schwangerschaft zu gering war und wir uns auch über Zwillinge gefreut hätten, falls aus beiden Eizellen ein Kind entstehen würde. Von Drillingen hatte man uns aber abgeraten.
Wir hatten uns im Vorfeld mit anderen Paaren in ähnlichen Situationen ausgetauscht, wir haben viel im Internet und in Büchern gelesen, wir hörten schöne und nicht so schöne Geschichten. Aber wir fühlten uns sehr stark und bereit für dieses Projekt, dass uns schon damals so unbeschreibliche Erlebnisse bescherte. Von nichts wollten wir uns mehr entmutigen lassen, wir wollten unseren Traum verwirklichen.
Einige Freunde wendeten sich von uns ab, weil sie kein Verständnis für unsere Situation hatten, andere zeigten, dass sie wahre Freunde waren. Nach der OP mussten wir 14 Tage lang auf das Ergebnis warten. Ich merkte schon ab dem elften Tag, dass sich etwas verändert hatte, mir war schlecht und mein Körper war irgendwie verändert. Ob es wohl geklappt hatte? Und was, wenn nicht?
Wir lenkten uns ab in diesen Tagen und dann war es so weit. Wir machten uns auf den Weg zur Klinik, früh morgens sollte ich zur Blutabnahme, am Mittag sollte das Ergebnis feststehen.
Wir frühstückten ausgiebig, gingen in eine Kirche und zündeten dort eine Kerze für uns und unseren Wunschtraum an und beteten… Danach ging es zurück in die Klinik.
Ich verschwand noch ganz kurz im Bad, während Dirk bei den Sprechstundenhilfen am Tresen wartete. Als ich aus dem Bad zurückkam, weinte Dirk.
Oh nein, hat es geklappt oder nicht…?
“Du bist schwanger”, rief er. “Wir werden Eltern.” Es war ein unbeschreiblich tolles Gefühl… gleich beim ersten Versuch… wir… Eltern…
Alles sei gut, sagten die Ärzte. Jetzt mussten wir nur noch die kritische Zeit abwarten, dann kam der erste Ultraschall. Eine Eizelle hatte sich eingenistet. Wir sahen das Herz eines Babys schlagen. Unseres Babys.”

Der kleine Leon kam putzmunter und gesund zur Welt. Dirk und Nicole können ihr Glück noch immer kaum fassen. Sie wissen, dass es nicht bei allen so schnell klappt und dass sie großes Glück hatten. Es liegt ihnen am Herzen, anderen Familien mit Kinderwunsch mit ihrer Geschichte Mut zu machen.

Tags: Kinderwunsch, Mikroinsemination, Erfahrungsbericht

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