Pränatale Diagnostik

Mutter mit Ultraschallbild
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Nicht jede Schwangerschaft verläuft so, wie man es sich wünscht. Jenny hat eine traurige Erfahrung gemacht, nachdem Auffälligkeiten im Ultraschall festgestellt wurden.

Jenny (29) war in der 20. Schwangerschaftswoche als sie erfuhr, dass die Nieren ihres Babys nicht funktionstüchtig sein würden. Sie hatte zu wenig Fruchtwasser. Der Organultraschall brachte traurige Gewissheit. Die Diagnose war ein Schock für sie.
Ihr Baby würde, wenn es denn überhaupt bis zur Geburt überleben würde, zwei Jahre lang täglich zur Dialyse müssen und bräuchte dann zwei Spenderorgane.
Was würde aus ihrer großen Tochter werden, was auf ihrer Partnerschaft, was aus ihrem Job?
Ein Fragenkarussel tobte durch ihren Kopf und kam immer öfter bei der Frage zum Halten, ob ihr kleiner Junge wohl leide in ihrem Bauch, mit zu wenig Fruchtwasser und fehlender Nierenfunktion.

Jenny ist eine von vielen Frauen, die vor einer alles entscheidenden Frage stehen: Ein Kind zu bekommen, das auf seine ganz eigene Art besonders ist – oder die Schwangerschaft zu beenden. Was Paare in dieser Situation besonders brauchen, ist Halt. Und Information.

Wenn festgestellt wird, dass das eigene Baby an einer schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigung leidet, löst diese Nachricht oft große Verwirrung und Erschütterung bei den betroffenen Eltern aus. Einige haben sich vielleicht schon Gedanken gemacht, wie sie mit einer solchen Diagnose umgehen würden, andere trifft die Nachricht wie “aus heiterem Himmel”. In dieser Situation kann es schwierig sein, weitere Informationen aufzunehmen oder sich das, was der Arzt erzählt, zu merken. Es ist daher sinnvoll, zu Beratungs- und Informationsgesprächen nicht allein, sondern zu zweit zu gehen. Vier Ohren hören mehr.

Für einige steht bald unausweichlich fest, dass sie die Schwangerschaft abbrechen möchten, andere wissen wiederum, dass sie sich das Leben mit einem vielleicht behinderten Kind zutrauen. Für die meisten allerdings wird die Entscheidung nicht so eindeutig und konfliktfrei verlaufen. Sie müssen sich mit widersprüchlichen Gefühlen auseinandersetzen, die von Nicht-wahrhaben-Wollen bis zu Fassungslosigkeit reichen. Die eine oder andere Empfindung kann für die Betroffenen selbst durchaus überraschend oder erschreckend sein. Keine davon ist jedoch “falsch”. Es ist sogar wichtig, diese Empfindungen zuzulassen. Und dann, in diesem Ansturm von Gefühlen, muss auch noch zeitnah eine Entscheidung her. Das ist schwer. Denn: Eine objektiv richtige Entscheidung gibt es nicht.

Es geht vielmehr darum, für die eigene ganz persönliche Situation einen Weg zu finden, zu dem beide Partner auch später noch stehen können. Professionelle Berater können helfen. Sie können Anstöße geben und den Weg zu einer selbstverantwortlichen Entscheidung ebnen. Die Entscheidung selbst kann einem jedoch niemand abnehmen und für die meisten ist sie eine große Last. Und gleichzeitig geht es doch auch um Entscheidungsfreiheit in einer sehr persönlichen Angelegenheit.

Auch Jenny hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Am Ende war für sie aber klar, dass sie ihren Jungen erlösen wollte, wie sie es sah. Der Kleine kam als sogenannte “stille Geburt” zur Welt und Jenny nahm sich Zeit für den Abschied. Ihr Junge wird immer ihr zweites Kind bleiben und begleitet sie in Gedanken durch den Alltag. Die große Schwester sagt: “Mein Bruder ist im Himmel.” Die kleine Schwester weiß noch nichts vom Himmelsbruder. Sie liegt noch eingehüllt in genügend Fruchtwasser in Jennys Bauch. Die Mutter freut sich auf ihr drittes Kind. Der Organultraschall war unauffällig.

P.S. Auch Anne wurde mit einer schlechten Nachricht beim Organultraschall überrascht. Sie entschied sich für ihr Kind. Lest auch ihren ergreifenden Erfahrungsbericht.

Dieser Text basiert zum Teil auf Auszügen aus der Broschüre “Schlechte Nachrichten nach vorgeburtlicher Untersuchung” des Vereins Psychosoziale Aspekte der Humangenetik (VPAH e.V.)

Tags: Schwangerschaft, Ultraschall, Untersuchungsergebnisse, Untersuchungen, Pränatale Diagnostik

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