Erfahrungsbericht

Schwangerer Bauch mit Smiley
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Katrin (37) und Josef (35) sind erst spät Eltern geworden. Nicht, weil sie sich vorher nicht getraut hätten, sondern weil vorher der richtige Partner fehlte. Nach Sohn Simon (2) kommt nun auch noch ein zweites Baby. Katrin genießt die Vorteile einer Mutter über 35 – kennt aber auch die Nachteile.

“Zum Glück gibt es Hollywood, denn sonst käme ich mir ganz schön alt vor. Mein Babybauch ist zwar erst 28 Wochen jung, aber ich bin seit 37 Jahren auf der Welt – und ich habe graue Haare. Wenn das Kind da ist, bin ich schon 38, also kurz vor vierzig, daran lässt sich nicht rütteln. Spätgebärend ist das richtige, aber auch furchtbare Wort für uns werdende Mütter über 35. Da aber solche Wahnsinnsfrauen wie Nicole Kidman oder Jennifer Lopez auch ein bisschen später mit dem Schwangersein und Babykriegen angefangen haben, fühle ich mich dabei pudelwohl. Auch sonst habe ich nicht das Gefühl, ein Einzelfall zu sein. Wie mir ging oder geht es offensichtlich vielen. Erst kamen Ausbildung, Studium, Selbstfindung. Dann der Berufseinstieg, der Karriereaufstieg und – das Fatalste – der eine oder andere falsche Partner. Denn während bei uns Frauen die biologische Uhr längst laut tickt, leben die meisten Männer doch in einer völlig anderen Zeitrechnung ohne Eile und Hektik. Viele schieben das mit der großen Verantwortung für den Nachwuchs endlos vor sich her – und wir? Haben derweil Angst um unsere Fruchtbarkeit.

Als ich endlich den Richtigen – meinen Mann – gefunden hatte, ging alles zum Glück problemlos und schnell. Mein erstes Kind bekam ich mit reifen 35 Jahren – ohne Komplikationen, die mit dem Alter zu tun haben. Und jetzt ist Nummer zwei unterwegs. Wie beim letzten Mal gibt es eine besondere Ultraschalluntersuchung für uns “Ältere”. In detaillierter 3D-Optik können wir in der 22. Woche einen Blick in unseren Bauch werfen. Eigentlich eine schöne Sache, wenn da nicht doch dieser kleine Zweifel wäre. Bin ich vielleicht doch zu alt? Ist das Baby wirklich gesund? Fakt ist: Das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen, ist erhöht, wenn man nicht mehr 25 ist. Fakt ist auch: Man wird nicht unbekümmerter, wenn man älter ist. Also mache ich mir Sorgen.

Gerade das merke ich auch im Alltag mit meinem Sohn. Während ich jede Erziehungsmaßnahme abwäge und über die Pros und Kontras von Schreienlassen oder Auf-dem-Arm-Tragen grüble, machen die jüngeren Mütter einfach nach Gefühl das Richtige. Mein Vorteil ist dafür, dass ich schon so vieles erledigt habe im Leben, auf das ich jetzt eine Weile verzichten kann. Ich habe entschieden, dass die Karriere hinten ansteht, und deshalb kann ich gut damit leben, ein paar Jahre Überstunden in Windelnwechseln zu machen. Nur eines, das ärgert mich wirklich. Mein Arzt antwortete auf meine Frage, ob ich meine Haare noch tönen dürfte, ausweichend: “Mmmhhh, nee. Also, ich würde es nicht tun.” Er hat ja keine Ahnung, wie spätgebärend ich graue Oma mich jetzt fühle.”

Tags: Schreien, Erziehung, Organultraschall, Sorgen, Mütter über 35, Babybauch, Erfahrungsbericht

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