Geschwister horcht am Bauch der schwangeren Mutter
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Im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt existieren etliche Gerüchte, die sich hartnäckig halten. Was ist dran?

Schwangerschaft und Geburt, die Entstehung eines neuen Menschen, werden selbst heute, in Zeiten der wissenschaftlichen Durchdringung all der damit verbundenen Vorgänge, von den meisten als ein großes Wunder erlebt. Wie viel größer mag dieses Wunder in früheren Zeiten erschienen sein!

So erstaunt es nicht, dass sich darum eine Unzahl von wundersamen Geschichten und “Weisheiten” ranken. Gerade wenn du zum ersten Mal schwanger bist, wirst du mit vielen solcher rätselhaften Laienweisheiten konfrontiert werden. Es steckt darin oft viel Erfahrung und darum auch ein Körnchen Wahrheit, doch vieles muss man mit dem wissenschaftlichen Blick schlicht als Unsinn bezeichnen. Ein paar Erläuterungen können vielleicht vor unnötiger Verunsicherung schützen…

“Stillen allein genügt als Verhütungsmittel.”

Nein. Diese Methode funktioniert allenfalls, wenn eine Frau alle zwei Stunden – Tag und Nacht – stillt. Dann ist der Prolaktinspiegel eventuell (!) hoch genug, dass es nicht zu einer Schwangerschaft kommt.

“Pro Schwangerschaft verliert man einen Zahn.”

Das galt in Zeiten, als Frauen sich sehr schlecht ernährten, z. B. in Kriegszeiten. Trotzdem solltest du in der Schwangerschaft gut auf deine Zähne achten und dich zur Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt vorstellen. Der Grund: Das Zahnfleisch wird durch die veränderte Hormonlage weicher, so dass sich Bakterien leichter an die Zähne “heranschleichen” können.

“Ist der Bauch spitz, wird es ein Junge, ist der Bauch breit, wird es ein Mädchen.”

Die Bauchform sagt nichts über das Geschlecht Ihres ungeborenen Kindes aus. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen! Im Jahr 1999 befragten amerikanische Wissenschaftler 104 schwangere Frauen, die noch nichts über das Geschlecht ihres Kindes wussten, nach ihren Vermutungen – und es bestand nicht der geringste statistisch auffällige Zusammenhang zwischen den wie immer begründeten Vermutungen der Mütter und dem tatsächlichen Geschlecht ihrer Kinder. Wer weiß, vielleicht bestanden die Kinder schon immer darauf, ihre Eltern zu überraschen…

“Mädchen rauben der schwangeren Mutter die Schönheit.”

Sicherlich bedeuten die körperlichen Veränderungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen, für viele Frauen eine große Irritation, die sie auch in dem Gefühl ihrer Attraktivität verunsichern kann. Der Vergleich mit jungen Mädchen mag diese Unsicherheit manchmal steigern. Aber du wirst, nicht zuletzt in den Augen deiner Umgebung, spüren, was für eine besondere Schönheit dir deine Schwangerschaft verleiht – und die kann dir niemand rauben!

“Wenn du unter einer Wäscheleine durchgehst, heißt das, dass sich die Nabelschnur deines Kindes um seinen Hals wickelt.”

Das ist natürlich Quatsch. Es ist vielleicht einer der Versuche, ein Problem zu erklären und zu bannen, das in Zeiten weniger entwickelter medizinischer Methoden nicht selten zum Tod des Neugeborenen führte. Heute helfen Ultraschall und eventuell ein Kaiserschnitt wirksamer als das Vermeiden von Wäscheleinen!

“Sich vor einer Katze zu erschrecken und sich dabei die Hände vor das Gesicht zu halten bewirkt bei deinem Kind einen Blutschwamm im Gesicht.”

Noch größerer Quatsch! Aber möglicherweise ein weiterer Versuch, sich zu erklären und möglichst zu bannen, was unsichtbar im Bauch der Mutter am Kind vor sich geht. Tatsächlich kommt durchschnittlich eines von 200 Neugeborenen mit so einem Blutschwamm zur Welt, aber man weiß auch heute noch nicht sicher, weshalb Hämangiome, so die medizinische Bezeichnung dieser gutartigen Gefäßtumore, entstehen. Als wahrscheinlichste Ursache wird eine genetische Disposition angenommen. In der Regel verschwindet die Erscheinung bis zum zehnten Lebensjahr von selbst – und weder bezüglich ihres Zustandekommens noch in Hinblick auf ihr Verschwinden wurden bisher Zusammenhänge mit Katzen oder heftigem Erschrecken belegt.

“Leidest du unter Sodbrennen, so bedeutet das, dass dein Kind viele Haare hat.”

Wäre lustig, aber das ist leider nicht allgemein gültig. Viele Babys haben Glatzköpfe, obwohl die Mütter ganz viel Sodbrennen in der Schwangerschaft hatten. Nicht für jeden Schweiß gibt es einen Preis!

Für den Fall, dass das Kind übertragen wird (also über den Geburtstermin hinaus im Bauch bleibt), gibt es mehrere Theorien. Einmal heißt es: “Es muss noch wachsen und stark werden, also wird es ein Junge.” Dann heißt es aber auch: “Es putzt sich noch, es wird ein Mädchen.”

Beides ist natürlich an den Haaren herbeigezogen. Ob es wohl in den Zeiten galt, als man noch nicht hübsche Jungs und starke Mädchen wollte …?

“In der Schwangerschaft Mozart zu hören fördert die Intelligenz des Babys.”

Wahr ist, dass das Baby deine Gefühle spürt und damit sicherlich auch, wie Musik deine Stimmung verändert. Etwa ab dem fünften Monat kann das Baby auch hören und du wirst bald spüren, dass Geräusche von außen anregend oder beruhigend auf dein Kind wirken können.

… und Wahrheiten

“Alle Babys kommen mit blauen Augen zur Welt.”

Das gilt zumindest für fast alle hellhäutigen Kinder. Die Farbe der Augen kommt durch die Melanozyten zustande, die in der farbigen Regenbogenhaut rund um die Pupille sitzen und dafür sorgen, dass der Farbstoff Melanin das Auge vor Sonnenstrahlen schützt. Die Augenfarbe entsteht durch die Dosierung des Melanins: Wenig Melanin führt zu blauen Augen, etwas mehr zu grünen und besonders viel Melanin sorgt für braune Augen. Spätestens am Ende des ersten Lebensjahres hat dein Kind die Augenfarbe, die es auch später haben wird.

“Sex am errechneten Geburtstermin wirkt wehenauslösend.”

Stimmt, denn im Sperma ist Prostaglandin enthalten, das Wehen fördern kann. Aber: Der Apfel fällt erst vom Baum, wenn er reif ist!

“Alkoholfreies Bier regt die Milchbildung an.”

Stimmt, der Hopfen wirkt beruhigend, entspannend und dadurch milchfördernd. Besonders geeignet: Malzbier.

Tags: Zähne, Nabelschnur, Milchbildung, Melanin, Sex, Schönheit, Hämagiom, Sperma, Wäscheleine, Melanozyten, Ammenmärchen, Märchen, Bier, Prostaglandin

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