Erfahrungsbericht |Komplikationen

Früchen im Spital
­

Nicola (34) und Tim (33) haben zwei Kinder, die aus ganz unterschiedlichen Gründen viel zu früh auf die Welt kamen. Hier erzählt die Mutter von Luisa (4) und Hermann John (6 Monate), wie sie durch ihre erste Frühgeburt fast am Heiraten gehindert wurde.

“Luisa kam fünf Wochen zu früh auf die Welt, sie wog nur 1600 Gramm. Die Schwangerschaft war nicht einfach, ich hatte Salmonellen, später Klostridien (Bakterien, die vornehmlich im Verdauungstrakt vorkommen) und schließlich lag ich vier Wochen lang mit vierzig Grad Fieber im Krankenhaus, bis Listeriose diagnostiziert wurde, eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit.

Luisa hatte zu wenig Fruchtwasser und wurde nur schlecht versorgt, meine Listeriose hätte sie fast das Leben gekostet. Als sie sich plötzlich im Bauch nicht mehr bewegte, wurde sie per Notkaiserschnitt geholt. Ich durfte sie kurz anschauen, dann wurde sie in den Brutkasten gebracht. Überall fädelten sich Schläuche um unser Kind, die mit Herzchen-Pflastern an seinem winzigen Körper festgehalten wurden. Für unser Umfeld war der Anblick ein Schock. Tim und ich als Eltern waren da sehr viel gefasster, weil wir uns mit dem Thema Frühgeburt schon im Vorhinein vertraut gemacht hatten und gut Bescheid wussten. Dass Luisa allerdings so früh kam, brachte uns in organisatorische Schwierigkeiten, denn wir hatten geplant, uns noch vor der Geburt das Jawort zu geben. Das Krankenhaus reagierte umwerfend auf unseren Wunsch und ermöglichte es uns, am Tag nach der Entbindung im Krankenhaus zu heiraten. Die Schwestern räumten ein Wartezimmer leer und als die Standesbeamtin eintraf, kam unser Ehrengast zur Feier dazu: Luisa. Die Schwestern schoben sie samt Brutkasten in das “Trauzimmer” und machten uns damit die größte Freude.

Unsere Tochter verbrachte noch eine Woche im Inkubator und eine Woche bei mir auf der Wöchnerinnenstation, bis wir beide völlig gesund entlassen wurden.

Drei Jahre später kam Luisas Bruder zur Welt. Die Schwangerschaft verlief normal, bis ich fünf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin starke Blutungen bekam. Wir fuhren eilig in die Klinik, ich bekam eine Vollnarkose und zwanzig Minuten später war unser Sohn auf der Welt – die Plazenta hatte sich abgelöst.

Hermann atmete nicht, als er auf die Welt kam, sein Körper war ganz weiß. Sie setzten ihm eine winzige Atemmaske auf das Gesicht, bis er schließlich seinen ersten eigenen Atemzug machte. Er wog nur 1900 Gramm und wurde noch zwei Wochen im Inkubator versorgt. Anschließend lag er weitere zwei Wochen auf der “normalen” Station, hier durfte endlich auch Luisa ihren Bruder bestaunen. Sie war so aufgeregt, dass sie ihn kaum berühren konnte. Heute sind die beiden zwei gesunde, aufgeweckte Kinder, und wenn sie so vor sich hin jauchzen, dann möchte ich doch behaupten: Frühchen lächeln schöner – die Anstrengungen haben sich gelohnt!”

Tags: Geburtstermin, Kaiserschnitt, Blutungen, Frühgeburt, Listeriose, Notkaiserschnitt, Brutkasten, Inkubator, Krankheiten, Komplikationen, Erfahrungsbericht, Erfahrungsbericht, Komplikationen

Gewinnspiele und Gutscheine