Erfahrungsbericht

Lachende Frau
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Marion (31) hat nach dem ersten Geburtstag ihrer Tochter Mara wieder angefangen, halbtags zu arbeiten. Erst passte der Papa zwei Monate lang auf, dann engagierten sie eine Tagesmutter. Eine tolle Lösung für die ganze Familie.

“Der erste Tag zurück im Job war der allerschönste. Natürlich war ich nervös gewesen, ob ich die Arbeitsabläufe überhaupt noch kennen würde nach einem Jahr am Wickeltisch. Mir gingen viele Dinge durch den Kopf: Denkt mein Mann an das Sterilisieren der Fläschchen, wie war das nochmal mit der Buchhaltung und was werden die Kollegen wohl sagen?

Auf meinem Schreibtisch stand ein Blumenstrauß mit einer Karte: “Schön, dass Du wieder da bist!” Alle hatten unterschrieben. Ich war gerührt. Lange hatte ich keine solche Aufmerksamkeit mehr erhalten, die Aufmerksamkeit hatte immer nur meinem Kind gegolten in letzter Zeit. Ich hatte nur noch funktioniert, jeden Tag dasselbe Prozedere und niemand hatte Danke gesagt oder Freude geäußert, mich zu sehen. Viel schöner noch als dieser Blumenstrauß war aber etwas ganz anderes. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, auf einen bequemen Bürostuhl, rückte alles zurecht, wie ich es brauche, und schaltete den Computer ein. Während er hochfuhr, holte ich mir eine Tasse Kaffee und trank sie – ohne dass mir jemand ins Kaffeewasser griff, ohne dass jemand mir mit klebrigen Fingern in die Tastatur patschte oder Maaamaaa brüllte.

Ich liebe mein Kind, es ist – natürlich – das tollste Kind auf Erden. Wirklich! Aber mir war nicht bewusst, wie sehr ich meine Arbeit vermisst hatte. Ich konnte meine ganze Aufmerksamkeit mir und meinem Handeln widmen. Ich brauchte nicht darauf achten, ob sich Mara den Kopf stößt, sich an einer Tischdecke hochzieht oder den Herd anstellt, während ich gleichzeitig das Fläschchen warm mache und ans Telefon gehe.

Der erste Arbeitstag war der entspannendste Tag seit langem. Ich genoss jedes Telefonat, das ich in Ruhe und konzentriert führen konnte, und jede Email, für die ich mir Zeit lassen konnte, ohne gleich wieder an den nächsten Brei zu denken.

Als die Elternzeit meines Mannes dann zu Ende war und Mara zu einer Tagesmutter ging, war es schon komisch für mich. Nicht nur der Konkurrenzgedanke – sie verbringt genauso viel Zeit mit Mara wie ich! –, mit dem ich erst einmal zurechtkommen musste, sondern auch die unvorhergesehenen organisatorischen Meisterleistungen, die einer Mutter abverlangt werden, waren für mich gewöhnungsbedürftig. Wenn die Tagesmutter vor einer wichtigen Präsentation anrief und sagte, sie sei krank, dann war es vorbei mit meiner Konzentration, in Windeseile musste ich Ersatz finden, da Maras Großeltern nicht in der Nähe wohnen. Als ich nach der großen Anfangsaufregung aber einen “Notfallplan” entwickelt hatte, war es für meine Tochter, meinen Mann und mich eine rundum tolle Lösung. Ich wurde durch diese wiederentdeckte Freiheit des Jobs viel ausgeglichener und konnte zugleich die Stunden mit meiner Tochter viel intensiver genießen. Ich wusste, Mara fühlt sich wohl bei ihrer Tagesmutter. Das heißt aber nicht, dass ich nicht manchmal auch ein schlechtes Gewissen habe und mich frage, ob das alles nicht ein bißchen früh war für Mara. Ich denke, das geht jeder Mutter so und ist ganz normal.”

Tags: Elternzeit, Arbeitszeiten, Tagesmutter, Entspannung, Baby, Arbeitnehmerrechte, Erfahrungsbericht, job & karriere

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