Erfahrungsbericht

Grosser Bruder mit Baby
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Michaela (33) und Bernd (34) haben Höhen und Tiefen in der Rivalität zwischen ihren Kindern miterlebt. Linus (fast 4) war zunächst nicht begeistert über die Schwangerschaft seiner Mama. Bis er seine Schwester Emily kennenlernte. Er liebte sie, er hasste sie und jetzt sind die beiden unzertrennlich.

Mein Bauch wurde immer runder und mein zweieinhalbjähriger Sohn immer aggressiver. Nicht körperlich, aber verbal. Er sagte: “Baby hauen” und er signalisierte, dass das Baby nur im Wohnzimmer schlafen dürfe – bloß nicht in seiner Nähe. Wenn wir Besuch von anderen Kindern bekamen, sagte er “Nach Hause gehen”. Er schmiss die Gäste einfach raus, er wollte nichts teilen und mit Mama allein sein.

Ich grübelte und verstand ihn nicht. Ich war doch während der ganzen Schwangerschaft so sensibel mit ihm umgegangen. Wenn ich ihn wegen des Bauches nicht tragen konnte, habe ich ihm das nie so gesagt, er konnte nicht ahnen, dass das etwas mit dem Baby zu tun hatte. Andererseits: Ich habe ihn eben nicht mehr getragen, wenn er zu faul wurde. Natürlich war das für ihn eine Abfuhr, egal aus welchem Grund. Und er war schlau genug, sich als Ventil für seine Enttäuschung das Baby auszusuchen. Das hatte er noch nie gesehen, da konnte er seinen Frust abladen. Bis die kleine Schwester zur Welt kam …

Linus war sehr aufgeregt, als ich mit Papa zur Entbindung fuhr. Sein Lieblings-Opa passte auf ihn auf, das fand er gut. Und dann durfte er Emily im Krankenhaus besuchen und sie endlich kennenlernen. Ganz winzig, ganz klein war das Baby – und Linus’ Augen ganz groß. Er war so aufgeregt, er traute sich gar nicht, sie zu berühren, so zerbrechlich lag sie da in ihrem Babybettchen. Er umarmte mich und sagte: “Mama, Emy nach Hause.” Er meinte nicht nur mich. Er meinte auch seine kleine Schwester.

Nachdem wir aus dem Krankenhaus zurück waren, ging es eine Woche lang so weiter, bis Linus immer öfter sagte: “Baby schreien aufhören.” Er aß nicht mehr gut und schlief nicht mehr durch. Auf dem Spielplatz haute er plötzlich, wenn es um sein Spielzeug ging. Er war kaum wiederzuerkennen, obwohl ich mir viel Mühe gab, auch Zeit mit ihm allein, ohne das Baby zu verbringen. An einem Nachmittag schnappte ich ihn mir und las ihm ein Buch vor, in dem zwei Geschwister zusammen Fußball spielen: “Auch, auch”, sagte Linus und ich verstand so langsam. Er hatte sich auf einen Spielkameraden gefreut, mit dem er nicht nur Fußball spielen, sondern auch Sandburgen bauen konnte. Er war enttäuscht.

Jetzt ist unsere Kleine ein Jahr alt und Linus der stolzeste Bruder, den man sich vorstellen kann. Er möchte Emily immer um sich haben, beim Spielen, Essen und beim Kuscheln. Er ist der einzige, der sie nach einem Wutanfall zum Lachen bringt. Sie können beide nicht mehr ohne einander.

Eine Freundin nannte mir kürzlich einen ganz guten Vergleich, der mich Linus’ anfängliche Rivalität gut nachvollziehen ließ: “Wenn die Mama plötzlich mit einem neuen Geschwisterchen nach Hause kommt, dann ist das für das erste Kind etwa so, als würde dein Mann mit einer jüngeren Geliebten nach Hause kommen und sie im gemeinsamen Ehebett schlafen lassen. Und du sollst dich auch noch darüber freuen.”

Irgendwie gut der Vergleich, oder?

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