Elternbelastung |Tabuthema

Schreiender Säugling auf Bauch liegend
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Dauerhafter Schlafmangel reißt allmählich an den Nerven. Kein Wunder, wenn man dann wütend wird auf die Person, die die Ursache dafür ist. Doch Wut auf das eigene Kind zu haben ist ein absolutes Tabuthema. Eltern verschweigen meist, dass das vorkommt. Auch untereinander vermeiden die meisten ein Gespräch darüber. Aber wo soll dann die Wut bleiben?

“Nun strenge ich mich doch so an, mit meinem Baby alles richtig zu machen. Warum schaffe ich es denn nicht, mein Kind zu beruhigen oder zum Schlafen zu bringen? Ich habe völlig versagt.” – Sind das Gedanken, die du kennst? Wenn euer Kind über Wochen und Monate nicht ein- oder durchschläft, werden Erschöpfung und Überforderung immer größer - und es wird vermutlich auch immer schwieriger, auf das Kind Ruhe auszustrahlen. Gerade Mütter beginnen dann, sich selbst in Frage zu stellen. Und das macht die ganze Situation noch schwieriger! Wut ist eine ganz natürliche Reaktion, um all diese Belastung nach außen zu wenden. Aber darf man denn auf so ein kleines, hilfloses Geschöpf wütend sein? Natürlich kann es nichts dafür, dass es nicht schlafen kann. Und schon wieder drohen sich all deine Gedanken und Gefühle im Kreis zu drehen …

Um solche Kreisläufe zu unterbrechen, ist es zunächst wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen, statt sie zu unterdrücken. Du darfst wütend sein. Wichtig ist aber auch, dass du dich nicht mit deinen Gefühlen und Gedanken einschließt, sondern das Gespräch mit Menschen suchst, die - anders als dein Kind - Dinge verstehen und ändern können. Der erste Ansprechpartner ist sicher dein Partner. Vielleicht geht es ihm ja ganz ähnlich! Auszusprechen, wofür man sich eigentlich so sehr schämt, kann ein wichtiger Schritt sein, um zu der eigenen Wut eine neue Einstellung zu bekommen und versöhnlicher mit ihr umzugehen. Und wenn ihr gemeinsam über die Situation nachdenkt, fallen euch vielleicht auch neue Wege ein, wie ihr eurem Kind beim Schlafen helfen könnt.

Häufig entsteht Wut auch dann, wenn Mütter viel mit ihrem Baby allein sind und sich dann zunehmend isoliert fühlen. Doch auch dann brauchst du nicht allein zu bleiben mit all diesen Sorgen. Such den Kontakt zu anderen Müttern oder Mutter-Kind-Gruppen, zu Freundinnen oder anderen vertrauten Personen. Wenn mal jemand ausspricht, dass das Leben mit dem Baby nicht nur Sonnenschein und Glück ist, kann das ein ganz neues, viel intensiveres Gespräch unter euch in Gang bringen – und dann entsteht auch wieder Platz für all das Schöne!

Schlafberatung
In einigen Familien ist es nicht möglich, Durch- und Einschlafprobleme allein zu bewältigen. Dann kann es eine riesige Hilfe sein, sich fachliche Unterstützung zu holen. Beratung zu suchen hat nichts mit Versagen zu tun. Im Gegenteil. Menschen, die Rat suchen, haben den Willen, etwas zu verändern und zu verbessern zum Wohle der ganzen Familie. Scheu dich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt viele Beratungsstellen mit Schlafberatern, die dir oder euch gerne helfend zur Seite stehen. Geh lieber in einem frühen Stadium als zu spät – also bevor deine Wut nicht mehr zu bändigen ist.

Tags: Erschöpfung, Schlafen, Wut, Tabuthema, Elternbelastung

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