Erfahrungsbericht |Väter

Neugeborenes in den Armen seiner Mutter
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Oliver (40) hat sich für sein erstes Kind zwölf Monate Elternzeit genommen. Mama Sandra (33) ging acht Wochen nach der Geburt wieder arbeiten. Olivers Erfahrungen sind sicherlich interessant für viele werdende Väter – egal, wie du persönlich dich letztlich entscheiden wirst.

“Als das Ende von Sandras Mutterschutz näherrückte, stieg bei mir täglich die Spannung, wie ich wohl zurechtkommen würde mit unserem Sohn Alexander. Ich war geregelte Arbeitszeiten und einen Bürojob gewohnt, wie würde dieses neue Leben wohl aussehen?

Meine Elternzeit begann schließlich mit großem Schreien. Mein Sohn vermittelte mir auf diese Weise seine Arbeitsanweisungen sehr eindringlich und es dauerte einige Zeit, bis ich die feinen Unterschiede zwischen Hungergeschrei, Müdigkeitsquengeln und Langeweilegenörgel raushören konnte. Ab dann lief es wunderbar und das hält bis heute an.

Morgens gegen sechs Uhr bereite ich Alexanders erstes Fläschchen vor und mache Sandra Kaffee und Brote für die Arbeit. Schließlich gibt es das Fläschchen für Alex und meist schläft er dann noch zwei oder drei Stunden. Eine gute Zeit für mich zum Aufräumen oder Krafttanken. Wenn er wieder munter wird, gibt’s ein zweites Fläschchen und die geliebte Babypflege. Oft gehen wir am späten Vormittag spazieren. Wenn ich aufräume, sitzt er in der Tragetasche vor mir und bestaunt meine spannende Arbeit.

Der Tagesablauf richtet sich komplett nach Alexander. Je nach Laune, Hunger und Schlafbedürfnis gestaltet sich jeder Tag anders. Dies ist ein beträchtlicher Unterschied zu meinem bisherigen Büroalltag. Im Job ist man gewohnt, Aufgaben gestellt zu bekommen und sie nach einem gewissen Plan abzuarbeiten – das funktioniert mit einem Baby nicht! Alexander ist der “Big Boss” bei uns zu Hause und die Aufgaben, die er stellt, machen leicht all meine Pläne zunichte: Wollte ich nicht gerade die Wäsche aufhängen? Da verlangt er, dass ich ihm sein Fläschchen bereite. Das geht den ganzen Tag so. Der heiß ersehnte Feierabend kommt dann meist gegen neun Uhr abends – wenn es gut läuft! Meist meldet er sich dann auch erst am nächsten Morgen wieder. Zeit für uns zum Durchatmen.

Eine Elternzeit ist kein Sabbatjahr oder etwas Ähnliches, man hat einfach eine andere Aufgabe als die berufliche. Das bedeutet, man ist genauso angespannt wie im Büro – vielleicht sogar noch mehr. Man wird dafür nicht so gut bezahlt und erntet dafür anfangs … wenig.

Das heißt, man braucht einen Haufen Geduld und muss auch in sehr anstrengenden Situationen die Kleinen sanftmütig behandeln. Alexander hat mich zum ersten Mal vor drei Wochen angelächelt, das war dann allerdings, als ob der Himmel aufgehen würde.”

Tags: Elternzeit, Babypflege, Schreien, Erfahrungsbericht, Väter

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