Familienleben

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Schlammschlachten zwischen Eltern sind heute nichts Ungewöhnliches mehr. Darum werden häufig auch Anwälte eingeschaltet, wenn sich Eltern trennen. Ob das immer nötig ist, erklärt babilu-Expertin Claudia Bätschi, Fachanwältin für Sozialrecht.

Immer wieder hört man von Trennungsschlachten, ganze Fernsehshows drehen sich darum. War das alles früher auch so? Viele haben das Gefühl, dass es früher öfter zu privaten Einigungen ohne Anwalt kam. Hartnäckig hält sich nun das Gerücht, dass Anwälte heutzutage gar nicht so sehr an außergerichtlichen Entscheidungen interessiert sind, weil sie erst mit einem Verfahren wirklich Geld verdienen.

Fakt ist: Für Anwälte sind gerichtliche Verfahren finanziell interessanter. Allerdings darf kein Anwalt mutwillig ein Verfahren einleiten, weil seinem Mandanten sonst möglicherweise die ganzen Kosten aufgebürdet werden. Suchen Sie sich also einen vertrauensvollen Anwalt, wenn sich abzeichnet, dass eine Einigung außergerichtlich nicht zustandekommt.

Wenn zu viel Zeit verstreicht, sollte ein gerichtliches Verfahren beantragt werden – insbesondere beim Aufenthaltsbestimmungsrecht darf nicht zu lange Zeit mit außergerichtlichen Verhandlungen verloren gehen. Der Anwalt sollte mit dem Mandanten die Vor- und Nachteile des gerichtlichen Verfahrens erörtern.

Was, wenn eine mündliche private Regelung plötzlich von einem Partner nicht mehr als gut empfunden wird.

Ein Beispiel: Zwei getrennte Partner (gemeinsames Sorgerecht) einigen sich darauf, dass die zweijährige Tochter von Samstag bis Dienstag bei dem Vater ist und den Rest der Woche bei der Mutter. Die Mutter merkt, dass diese Regelung dem Kind nicht mehr guttut, weil es sich nirgends mehr zu Hause fühlt und mit Aggressionen reagiert. Der Vater möchte aber auf seine Zeiten mit dem Kind nicht verzichten.

Dann ist es wichtig, zu wissen, dass die mündliche Regelung zwischen den Eltern zwar möglich, aber nicht vollstreckbar ist. Das heißt, im oben genannten Fall haben beide Elternteile keine Möglichkeit, die Regelung zu erzwingen. Sie ist zudem abänderbar, wenn sie dem Wohl des Kindes nicht mehr entspricht. Sinnvollerweise beantragt dann ein Elternteil eine neue Umgangsregelung.

Gerichtliche Regelungen sind bindend, können vollstreckt werden und bei Verstoß gegen die Regelung kann das Elternteil mit Ordnungsgeld belegt werden. Wenn die Mutter die Herausgabe des Kindes entgegen einer gerichtlichen Umgangsregelung verweigert, kann der Vater ein Ordnungsgeld gegen die Mutter beantragen. Das Gericht wird bei einer gerichtlichen Regelung des Umgangsrechts bisherige Absprachen zwischen den Eltern berücksichtigen und nicht ohne Grund davon abweichen.

Eltern, die keine Mittel haben, sich einen Anwalt zu leisten, haben die Möglichkeit, rechtliche Beratung mit einem Beratungshilfeschein des Amtsgerichts zu beanspruchen. Für gerichtliche Verfahren kann Prozesskostenhilfe beantragt werden.

Tags: Sorgerecht, Streit, Anwalt, Familienleben

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