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Das Sorgerecht wird im Gesetz als elterliche Sorge bezeichnet und umfasst sämtliche Belange des minderjährigen Kindes, also Gesundheit, Wohlbefinden, Aufenthaltsort, Ausbildung, Finanzen etc. Was das für den Alltag bedeutet erläutert babilu-Expertin Claudia Bärtschi, Fachanwältin für Sozialrecht.

Das Sorgerecht besteht aus zwei Teilen. Es umfasst die Sorge für das Kind (Personensorge) und die Sorge um das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge), § 1626 BGB.

Die Personensorge umfasst unter anderem die Pflege und Gesundheitsfürsorge des Kindes, Beaufsichtigung und Erziehung sowie das Recht, seinen Aufenthalt zu bestimmen.

Sind die Eltern des Kindes bei der Geburt miteinander verheiratet, üben sie die elterliche Sorge gemeinsam aus. Das bedeutet, dass wichtige Entscheidungen einvernehmlich gefällt werden müssen. Betroffen davon sind insbesondere die Schulwahl, größere medizinische Behandlungen, der Aufenthalt des Kindes oder Urlaubsreisen in ferne Länder. Dazu ist in der Regel die Unterschrift beider Elternteile gegenüber der zuständigen Behörder als Inhaber der elterlichen Sorge notwendig.

Sind die Eltern nicht verheiratet, können die Eltern beim Jugendamt eine Erklärung abgeben, dass sie die elterliche Sorge gemeinsam ausüben wollen. Dieser Antrag kann auch schon vor der Geburt des Kindes gestellt werden. Ansonsten hat die Mutter nach aktueller Gesetzeslage das alleinige Sorgerecht. Der Vater kann heute auch gegen den Willen der Mutter die gemeinsame elterliche Sorge gerichtlich erzwingen, wenn das Wohl des Kindes dadurch nicht gefährdet ist.

Das Gericht kann die elterliche Sorge auf einen Elternteil allein, auf Dritte oder auf das Jugendamt übertragen, wenn dies dem Wohl des Kindes entspricht. Die Übertragung auf die Mutter allein ist zum Beispiel sinnvoll, wenn das bei ihr wohnende Kind keinen Kontakt zum Vater hat und er für gemeinsame Entscheidungen nicht zu erreichen ist.
Das Gericht kann auch nur Teile der elterlichen Sorge auf einen Elternteil übertragen. Bei Uneinigkeit der Eltern, wo das Kind zukünftig leben soll, überträgt das Gericht in der Regel das Aufenthaltsbestimmungsrecht als Teil der elterlichen Sorge auf einen Elternteil.

Wenn die Eltern sich haben “scheiden lassen” oder getrennt leben und sich über den Aufenthaltsort des Kindes bei einem Elternteil geeinigt haben, ist dieser Elternteil berechtigt, die Dinge des täglichen Lebens allein zu regeln. Er darf zum Beispiel allein bestimmen, wann das Kind zu Bett geht, wie lange die Fernseh-Zeiten sind und welche Freunde es einladen darf. Bei wichtigen Entscheidungen hingegen ist der andere Elternteil zu beteiligen. Manchmal ist es schwierig, eine eindeutige Grenze zwischen Dingen des täglichen Lebens und wichtigen Entscheidungen zu finden. In solchen Fällen kann die Hilfe des Jugendamts in Anspruch genommen oder das Familiengericht um eine Entscheidung gebeten werden.

Tags: Recht, Trennung, Recht

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